August Künnapu (*1978) betrat
die Kunstszene Estlands Ende 1990er Jahre und erregte sofort die Aufmerksamkeit
der Kritiker und Kuratoren. Seine erste Einzelausstellung brachte ihm den Titel
"Wunderkind der neuen estnischen Malerei" ein, deren Einzigartigkeit und
Aktualität ein neues Gefühl der Wirklichkeit - grotesk und visionär zugleich -
erzeugen. Das Image eines exklusiven Künstlers ist bis heute geblieben: im
Prinzip bleibt Künnapu ein einmaliger Akteur, der keiner künstlerischen
Hauptströmung oder Tendenz folgt. Estnische Kritiker haben seinen Stil als "Bad
Painting", "Post-Naivität" oder "Neo-Pop" britischer Herkunft umschrieben.

Künnapu selbst hat
in London studiert. Er war der Bewegung der Young British Art nahe und
charakterisiert diese als "originell, ursprünglich, brillant, intelligent und
spontan", alles Begriffe, die auch auf seine eigene Arbeit angewendet werden
können. Wobei der beste Vergleich für die Malerei Künnapus Martin Maloney zu
sein scheint, der ebenfalls figürlich naiv arbeitet. Aber anders als bei den
kleinen komikartigen Erzählungen Maloneys fehlen Künnapu die den Briten eigene
Schockstrategie, der selbstverständliche Konzeptualismus und Ironie.
Charakteristisch für seine Malerei sind Aufrichtigkeit und ein gewisser
Utopismus; seine Dekonstruktion ist freundlich und die Wirklichkeitsverschiebung
weich.
Elnara
Taidre