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Die Bevölkerung Estlands und die nationalen Beziehungen


Ethnische und kulturelle Vielfalt

Laut Angaben des Bevölkerungsregisters leben in Estland 1,341 Millionen Menschen aus über 100 verschiedenen Nationalitäten. Die größte Nationalitätengruppe bilden nach dem Stand vom 1. Januar 2009 die Esten – 68,6 %, es folgen Russen – 25,6 %, Ukrainer – 2,1 %, Belarussen – 1,2 % und Finnen – 0,8 %. Gemäß der Volkszählung von 2000 werden in Estland insgesamt 109 Sprachen gesprochen. Von den estnischen Bürgern sprechen 83,4 % als Muttersprache Estnisch, 15,3 % Russisch und 1 % andere Sprachen.

In Estland haben schon immer unterschiedliche Nationalitäten zusammengelebt. Die heutige Bevölkerungsstruktur hat sich infolge verschiedener historischer Ereignisse herausgebildet. Vor dem Zweiten Weltkrieg machten die nationalen Minderheiten etwa 12 % der Bevölkerung Estlands aus. Im Jahr 1934 bildeten Russen, Deutsche, Schweden, Letten und Juden die größten nationalen Minderheiten.

Infolge der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges sowie der anschließenden sowjetischen Besatzung veränderte sich die Bevölkerungsstruktur Estlands im bedeutenden Maße. Die meisten Deutschbalten verließen Estland bereits 1939, die Mehrheit der schwedischen Minderheit verließ Estland während des Zweiten Weltkrieges, ebenso flüchteten während des Krieges zehntausende Esten in den Westen. Die Mehrheit der gegenwärtigen anderssprachigen Bevölkerung Estlands bilden die in der Nachkriegszeit infolge der auf die Sowjetisierung gerichtete Migrationspolitik der UdSSR aus verschiedenen Regionen der Sowjetunion eingewanderten Personen und ihre Nachfahren, deren Integration auch wegen ihrer überwiegend regional isolierten Verteilung auf dem Gebiet Estlands nicht erfolgte. Auf diese Weise entstanden neue Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel Ukrainer, Belarussen und Ingrier, währenddessen sich die Anzahl der Russen in der Bevölkerung deutlich erhöhte. Während der Anteil der Nicht-Esten im Jahr 1934 noch bei 12 % (darunter 8,2 % Russen) lag, so bildete er bereits nach 25 Jahren, also 1959, 25 % der Gesamtbevölkerung .

Die Verfassung und das im Jahr 1993 verabschiedete neue Gesetz über die kulturelle Autonomie nationaler Minderheiten legen den rechtlichen Status und die Rechte der in Estland lebenden nationalen Minderheiten fest und gewährleisten die Möglichkeit zur Förderung ihrer Sprache und ihrer Kultur durch die muttersprachliche Bildung. Die Ingrier und die estnischen Schweden haben sich heute entsprechend dem Gesetz der kulturellen Autonomie organisiert und machen Gebrauch von ihrem juristischen Status, den das Gesetz einer ethnisch-kulturellen Minderheit für die Schaffung ihrer Selbstverwaltung gibt, und zugleich das Recht verleiht, für ihre Tätigkeit finanzielle Mittel aus dem Staatsaushalt zu beantragen .

Estland ist auch ein Mitgliedstaat des im Jahr 1998 in Kraft getretenen Rahmenübereinkommens des Europarats zum Schutz nationaler Minderheiten, des ersten multilateralen Übereinkommens, das dem Schutz von Angehörigen nationaler Minderheiten dient. Entsprechend den übernommenen Verpflichtungen unterstützt Estland die Bestrebungen aller nationalen und ethnischen Minderheiten im Bereich von Kultur und Bildung. Mehr als 200 Kulturvereine und Organisationen der nationalen Minderheiten sind gegenwärtig registriert, wobei allen die Möglichkeit zusteht, aus dem Staatshaushalt Unterstützung zu erhalten. Auch gibt es in Estland 18 Sonntagsschulen, die zum Ziel haben, die Muttersprache und die kulturelle Bildung der nationalen Minderheiten zu fördern. Ferner fördert der Staat den Unterricht der Muttersprache nicht-estnischer Schüler an Grundschulen .

Estland ist einer der wenigen Staaten der Europäischen Union, in dem neben den amtssprachlichen Schulen auch das nicht-amtssprachliche Schulnetz als Teil des staatlich finanzierten öffentlichen Bildungssystems existiert. Etwa 20 % aller estnischen Schüler besuchen russischsprachige Grund- und Oberschulen. 10 % der Studenten an den Hochschulen Estlands studieren in russischer Sprache. .

Im Jahr 2009 erschienen in Estland 34 Zeitungen und 14 Zeitschriften in russischer Sprache (Quelle: Nationalbibliothek, www.nlib.ee). Von drei überregionalen TV-Sendern bieten zwei regelmäßig russischsprachige Sendungen an. Einer von sechs russischsprachigen Rundfunksendern ist öffentlich-rechtlich und strahlt unter anderem auch Sendungen in ukrainischer, belarussischer, armenischer und jiddischer Sprache aus. Russisch ist im Internet weit verbreitet, wobei viele Websites staatlicher Behörden und öffentlich-rechtlicher Institutionen unter anderem russischsprachige Informationen anbieten, darunter das Staatliche Web-Center www.eesti.ee. Es sind zahlreiche russischsprachige Internetportale und Web-Medienausgaben vorhanden .

Nationale Beziehungen

Infolge der umfangreichen Migration während der Sowjetzeit entstand in Estland eine beträchtliche und in vielerlei Hinsicht isolierte Gesellschaft, die Russisch als erste Sprache benutzte. Eine der Prioritäten des Staates war und ist die Förderung der nationalen Beziehungen.

Seit 1997 hat die estnische Regierung zur Förderung der Integration wichtige Maßnahmen ergriffen:

  • Im Mai 1997 wurde das Amt des Bevölkerungsministers geschaffen. Zu seinen Aufgaben gehörten unter anderem auch die Fragen der Integration;
  • Im März 1998 wurde die Integrationsstiftung gegründet, um den Integrationsprozess sowie verschiedene Integrationsprojekte zu fördern und zu koordinieren; 2007 wurde das staatliche Programm Integration in die estnische Gesellschaft 2000-2007 zum Abschluss gebracht;
  • Seit 2008 bildet das nationale Integrationsprogramm Estlands 2008-2013 die Grundlage für die staatliche Integrationspolitik;
  • Im Jahr 2009 trat das Gleichbehandlungsgesetz in Kraft. Im Gesetz sind der Grundsatz der Gleichbehandlung, die Vorgaben zur Umsetzung und Ausweitung des Grundsatzes der Gleichbehandlung und zur Lösung von Diskriminierungsstreitigkeiten verankert. Das Gesetz gewährleistet den Schutz vor Benachteiligungen aus Gründen der Nationalität, der ethnischen Herkunft oder der Rasse, wegen der Hautfarbe, der Religion, der Weltanschauung, des Alters, der Behinderung oder der sexuellen Identität.
  • Im Jahr 2009 wurde das Büro des Bevölkerungsministers restrukturiert und die Aufgaben des Bevölkerungsministers wurden zwischen den anderen Ministerien aufgeteilt. Für die Fragen der Integration ist nunmehr das Kulturministerium zuständig.
  • Im Januar 2010 fand der Zusammenschluss der Integrationsstiftung und des Estnischen Integrationsfonds statt. Die gegründete Institution trägt den Namen Stiftung Integration und Migration „Unsere Menschen“. Die Aufgabe der Stiftung ist es weiterhin, die Förderung der Integrationsprozesse in die estnische Gesellschaft und die Handlungen im Bereich der Migration und Immigration zu koordinieren.

Im Jahr 2009 fand eine abschließende Beurteilung des staatlichen Programms „Integration in die estnische Gesellschaft 2000-2007“ durch unabhängige Prüfer statt. Die Überprüfung kam zu dem Ergebnis, dass das staatliche Integrationsprogramm in den Jahren seiner Umsetzung zweckdienlich gewesen ist und dazu beigetragen hat, die Probleme der Integration in der estnischen Gesellschaft zu verringern. Als Erfolg kann unter anderem Folgendes verzeichnet werden: Die beträchtliche Ausweitung der Möglichkeiten zum Erlernen der estnischen Sprache, die Verbesserung der Unterrichtsmethodik und der Qualität der Unterrichtsmaterialien in estnischer Sprache, die Realisierung eines funktionierenden Systems des Sprachunterrichts mithilfe des Programms der Sprachimmersion auf der Ebene der Vor- und Grundschulen und die Schaffung eines Finanzierungssystems, das die Nachhaltigkeit des kulturellen Lebens der nationalen Minderheiten unterstützt.

Die Ausgangsbasis des „Integrationsprogramms Estlands 2008-2013“ bilden:

  • Europäische Grundwerte und verfassungsmäßige Werte Estlands;
  • Verhinderung der auf der Nationalität beruhenden Isolation;
  • Stärkung der staatlichen Identität und Miteinbeziehung aller Bewohner in die Förderung der Gesellschaft;
  • die estnische Sprache als die allgemeine Umgangs- und Verkehrssprache.

Zur Finanzierung des Integrationsprogramms sollen in den Jahren 2008-2010 31,5 Mio. EUR aus dem Staatshaushalt und aus Fremdmitteln aufgewendet werden .

Das Integrationsprogramm zielt darauf hin, das Zugehörigkeitsgefühl jedes ständigen Einwohners zur estnischen Gesellschaft durch die Teilhabe an den gemeinsamen Werten und durch die Beherrschung der Amtssprache zu stärken. Infolge der erfolgreichen Integration kann sich jeder verwirklichen und sicher fühlen, wobei er zugleich am wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Leben teilnimmt. In Estland sind Möglichkeiten geschaffen worden, andere Sprachen zu sprechen und nationale Kulturen zu fördern.

Die drei Handlungsfelder des Integrationsprogramms sind: :

  1. Bildungs- und kulturelle Integration – für alle Bewohner Estlands gleichwertige Bildungschancen in einem gemeinsamen Bildungssystem und gleiche Voraussetzungen für den Erhalt der eigenen Sprache und Kultur zu sichern.
  2. Soziale und ökonomische Integration – allen Bewohnern Estlands Chancengleichheit für die wirtschaftliche und soziale Teilhabe an der Gesellschaft, unabhängig von der Nationalität, der Muttersprache oder dem Wohnort, zu gewähren.
  3. Rechtliche und politische Integration – für alle Bewohner Estlands gesetzliche Chancengleichheit für die Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben, unabhängig von der Nationalität oder der Muttersprache, zu schaffen.

Im Rahmen der Maßnahme „Lebenslanges Lernen“, die aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds unterstützt wird, setzt die Integrationsstiftung das Programm „Förderung der sprachlichen Bildung 2007-2010“ um. Durch zwölf verschiedene Aktivitäten werden für verschiedene Zielgruppen neue Möglichkeiten zum zusätzlichen Unterricht der estnischen Sprache geschaffen. Im Rahmen des Programms zur Förderung der sprachlichen Bildung werden für alle Bewohner Estlands gleiche Chancen auf den Erwerb von Bildung und auf die Eingliederung in den Arbeitsmarkt geschaffen, unabhängig von der Muttersprache, dem Alter und der Nationalität. Zur Zielgruppe des Programms der Sprachförderung zählen:

  • Schüler ab dem 14. Lebensjahr, deren Muttersprache nicht Estnisch ist;
  • Pädagogen und Bedienstete, die mit Schülern arbeiten, und deren Muttersprache nicht Estnisch ist;
  • Erwerbstätige, die Estnisch nicht ausreichend beherrschen.

Neben dem Sprachunterricht für Erwachsene organisiert die Integrationsstiftung in den russischsprachigen Schulen den partiellen Übergang zum Fachunterricht auf Estnisch durch die Fortbildung der Lehrer und durch die Umsetzung des Programms für die Sprachimmersion.

Erneuerung im Bereich der Bildung: Übergang zum zweisprachigen Unterricht an russischsprachigen Schulen

Ein Teil des staatlichen Programms „Integration in die estnische Gesellschaft 2000-2007“ umfasste auch die sprachliche Integration sowie den Übergang zum zweisprachigen Unterricht in russischsprachigen Gymnasien ab dem 1. September 2007. Hauptziel des Programms war es, gleiche Chancen für die Schüler mit nichtestnischer Muttersprache auf die berufliche Ausbildung und auf die Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu gewährleisten und Möglichkeiten zum Sprachpraktikum zu bieten.

Der Übergang zum partiellen Fachunterricht auf Estnisch ab 2007 betraf alle 63 russischsprachigen Gymnasien. Als erstes Unterrichtsfach auf Estnisch wurde in den zehnten Klassen dieser Schulen das Fach estnische Literatur eingeführt. Gemäß dem staatlichen Lehrplan wird bis zum Schuljahr 2011/2012 ab Klassenstufe 10 der russischspra chigen Gymnasien jedes Jahr ein weiteres Pflichtfach auf Estnisch folgen: Gesellschaftskunde, Musik, estnische Geschichte und Geographie. 2008/2009 setzten alle russischsprachigen Gymnasien den Unterricht der estnischen Literatur auf Estnisch fort und begannen mit dem Unterricht der Gesellschaftskunde bzw. Musik oder in beiden Fächern auf Estnisch. 41 Schulen unterrichten neben den drei Pflichtfächern auch weitere Fächer, wie zum Beispiel Sport, Kunst bzw. Computerlehre, in estnischer Sprache.

Der inhaltliche Übergang zum Unterricht auf Estnisch an russischsprachigen Schulen hat bereits früher begonnen. Gemäß der an anderssprachigen Schulen durchgeführten Befragung wurde 2006/2007 in 95 % der russischsprachigen Schulen mindestens ein Fach auf Estnisch unterrichtet. Der Übergang zum zweisprachigen Unterricht wird durch die Anwendung des Programms der Sprachimmersion unterstützt. Die Initiative der Sprachimmersion wendet eine mehrsprachige Methodik an, was bedeutet, dass ein Teil des Unterrichtsstoffs auf Estnisch und ein Teil auf Russisch vermittelt wird. Der Einsatz der Immersionsmethode im Sprachunterricht trägt dazu bei, den russischsprachigen Kindern das Erlernen von Estnisch zu erleichtern und dabei das Beherrschen der Muttersprache auf hohem Niveau beizubehalten sowie zugleich eine gute Bildung zu bekommen. Etwa 50 % der russischsprachigen Schulen beteiligen sich am Programm der Sprachimmersion. Dadurch wird gewährleistet, dass die Schüler die Grundschule mit guten Estnisch-Kenntnissen abschließen; das wiederum schafft eine gute Voraussetzung für den erfolgreichen Fachunterricht auf Estnisch.

Die überwiegende Mehrheit der russischsprachigen Bevölkerung unterstützt den Übergang. Der von dem Meinungsforschungsunternehmen TNS Emor im Frühjahr 2008 durchgeführten Umfrage zufolge vertreten mehr als 80 % der Einwohner Estlands mit russischer Muttersprache die Auffassung, dass durch den Fachunterricht auf Estnisch die Estnisch-Kenntnisse der Schüler verbessert werden und für Jugendliche extensivere Weiterbildungschancen entstehen. Etwa drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass als Resultat des Fachunterrichts auf Estnisch die Wettbewerbsfähigkeit der Schüler russischsprachiger Schulen auf dem Arbeitsmarkt zunimmt.

Staatsbürgerschaft

Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Estlands im Jahr 1991 auf Grund der rechtlichen Kontinuität der Republik Estland wurde es möglich, die Rechte ihrer rechtmäßigen Bürger wiederherzustellen. Das im Februar 1992 angenommene Staatsbürgerschaftsgesetz basiert auf dem Gesetz der Staatsbürgerschaft aus dem Jahr 1938, das bei der Verleihung estnischer Staatsbürgerschaft von dem Abstammungsprinzip ausgeht. Nach diesem Prinzip erwirbt man mit der Geburt die estnische Staatsbürgerschaft, wenn mindestens ein Elternteil selbst Staatsbürger Estlands ist. Folglich erhielten nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Estlands die vor dem 16. Juni 1940 in Estland wohnhaften Bürger sowie ihre Nachfolger automatisch die estnische Staatsbürgerschaft. Alle anderen Einwohner erhielten das Recht, die estnische Staatsbürgerschaft im Zuge eines Einbürgerungsverfahrens zu erwerben.

Staatsbürgerschaft

Seit 1992 sind im Zuge der Naturalisation über 150 000 Personen eingebürgert worden, die meisten von ihnen nutzten diese Möglichkeit bereits Anfang der 90er Jahre.

Im Zuge der Erfassung der Ausländer ab 1993 erhielt die Mehrheit der Personen mit nicht festgelegter Staatsbürgerschaft die estnische bzw. die Staatsbürgerschaft anderer Staaten. Als Folge dieses Prozesses sank der Anteil der Personen mit nicht festgelegter Staatsbürgerschaft von 32 % im Jahr 1992 auf 7,5 % im Jahr 2010.

Bemerkenswerte Entwicklungen fanden in der Gesetzgebung statt. Die wichtigste Änderung im Gesetz der Staatsbürgerschaft trat am 12. Juli 1999 in Kraft, wonach ab dem 26. Februar 1992 in Estland geborene Kinder von Personen mit nicht festgelegter Staatsbürgerschaft bis zu ihrem 15. Lebensjahr auf Antrag der Eltern die estnische Staatsbürgerschaft erwerben können. Das führte dazu, dass über 11 000 Kinder die estnische Staatsbürgerschaft erhielten.

Ab 2002 müssen Absolventen von Gymnasien oder Berufsbildungseinrichtungen den Einbürgerungstest nicht absolvieren, wenn sie die Schulabschlussprüfung in Gesellschaftskunde und Estnisch erfolgreich bestanden haben – folglich sind zum Erwerb der Staatsbürgerschaft keine zusätzlichen Tests zu absolvieren.

Seit 2009 sind die Möglichkeiten des Estnisch-Unterrichts für Erwachsene erheblich ausgebaut worden. Die Kosten des Estnisch-Unterrichts werden in voller Höhe erstattet. Allen Personen, die eine Estnisch-Prüfung erfolgreich ablegen, werden die Kosten des Sprachunterrichts erstattet, und Nichtbürger können ebenfalls kostenlos an den Estnisch-Kursen teilnehmen, wobei die Beantragung der Staatsbürgerschaft nicht vorausgesetzt wird. Darüber hinaus wird der kostenlose Estnisch-Unterricht für Mitarbeiter des prioritären öffentlichen Sektors (zum Beispiel Lehrer, Polizisten und Rettungskräfte, Mitarbeiter der Jugendarbeit) fortgesetzt und der berufsbezogene Estnisch- Unterricht in den Berufsbildungseinrichtungen und Hochschulen gefördert.

Seit 1996 haben die ständig auf dem Gebiet einer Kommune lebenden Einwohner ungeachtet ihrer Staatsbürgerschaft das Recht, an den Kommunalwahlen teilzunehmen. Estland ist einer der wenigen Staaten, in dem eine derartige Möglichkeit besteht. An der Arbeit fast aller estnischen Parteien sind Nicht-Esten beteiligt. Auch im jetzigen Parlament gibt es mehrere Vertreter nationaler Minderheiten, die über die Listen verschiedener Parteien gewählt wurden.

Estlands Wunsch ist es, ein estnisches Modell der multikulturellen Gesellschaft zu realisieren, für das kultureller Pluralismus, ein starkes Gemeinschaftsgefühl sowie die Erhaltung und Entwicklung des estnischen Kulturraums charakteristisch sind. Die Integration umfasst die gesamte Gesellschaft, und bis heute wurden bereits gute Ergebnisse bei der Teilhabe aller in Estland lebenden Nationalitäten am gesellschaftlichen Leben erzielt. Estland ist bereit, seine Erfahrungen im Bereich der multikulturellen Gesellschaft und der Integration mit allen Interessierten auszutauschen.

Zusätzliche Informationen:

Integrationsstiftung, www.meis.ee
Kulturministerium, www.kul.ee
Zweiter Bericht Estlands über die Umsetzung des Rahmenübereinkommens zum Schutz nationaler Minderheiten, www.vm.ee

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