E-stland

06.01.2009
- 66 % der Bevölkerung (im Alter von 16-74 Jahren) haben Zugang zu einem Internetanschluss (Statistisches Amt, 2008).
- 58 % der Haushalte verfügen über einen Internetanschluss (Statistisches Amt, 2008).
- Alle estnischen Schulen haben Internetzugang.
- Die meisten Städte und Dörfer Estlands werden durch das Netzwerk der öffentlichen Internetpunkte abgedeckt.
- Neben den öffentlichen Internetpunkten ist es Inhabern von Laptops an mehr als 1 100 öffentlichen Orten möglich, schnelle Wireless-LAN-Zugänge zu nutzen, und diese Möglichkeit ist an vielen Orten sogar noch kostenlos. Die Zugangsmöglichkeiten an öffentlichen Punkten mittels Wireless-LAN nehmen zu, heute bestehen diese Möglichkeiten in allen Landkreisen.
- Es ist möglich, die Einkommensteuererklärung über das Internet bei der Steuerbehörde einzureichen. Im Jahr 2008 wurden mehr als 88 % der Einkommensteuererklärungen auf diese Weise eingereicht.
- Die Ausgaben der öffentlichen Hand können im Internet in Realzeit verfolgt werden.
- Die Kabinettssitzungen werden mittels eines internetbasierten Dokumentationssystems online durchgeführt, so dass die Benutzung von Papierdokumenten auf ein Minimum reduziert werden konnte.
- 76 % der estnischen Internetnutzer tätigen ihre täglichen Bankgeschäfte via Internet (E-Track Survey, TNS EMOR, Dezember 2005).
- Mitte 2008 gab es 147 Mobiltelefon-Abonnenten pro 100 Einwohner (Statistisches Amt, 2008).
- Estland ist flächendeckend mit digitalen Mobilfunknetzen versorgt.
Der Studie The Global Information Technology Report 2007-2008: The Network Readiness of Nations, www.weforum.org zufolge belegt Estland unter 127 Staaten hinsichtlich seiner Bereitschaft zur Anwendung der Informationstechnologie zwecks Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung Platz 20. Estland ist auf diesem Gebiet den anderen mittel- und osteuropäischen Staaten nach wie vor überlegen.
Das wichtigste Rahmendokument der staatlichen Politik im Bereich der Infotechnologie ist der „Entwicklungsplan der Informationsgesellschaft Estlands 2013“, das die allgemeinen Grundlagen, Ziele und Tätigkeitsbereiche festlegt. Es sind eigens Regierungsbehörden gegründet worden, um das IT-Budget des Staates, die Gesetzgebung und die internationale Zusammenarbeit zu koordinieren und die Umsetzung konkreter Projekte zu leiten.
Im Jahr 2001 wurde das zentrale Datenaustauschsystem X-Road (X-Tee) eingeführt, das heute 67 Datenbanken und 687 unterschiedliche Services verbindet. Die Services von X-Road werden von 392 Behörden und Unternehmen benutzt. Obwohl das System eine immer größere Anzahl von Services miteinander verbindet, bietet es bis heute ein bequemes und sicheres Umfeld, das es dem Bürger ermöglicht, persönliche Informationen in unterschiedlichen nationalen Datenbanken abzurufen.
In den Jahren 2005-2008 wurde das Programm Dorfweg 3 (KülaTee 3) verwirklicht, dessen Ziel es war, der Bevölkerung in ländlichen, dünn besiedelten Regionen eine Internet-Standleitung zu verschaffen. Es ist diesem Programm zu verdanken, dass die Erreichbarkeit der Internet-Standleitung in Estland schätzungsweise bei 98 % liegt. Man geht davon aus, dass dadurch die Anzahl der Internetnutzer zunehmen und die sogenannte digitale Kluft zwischen der Stadt- und Landbevölkerung verschwinden wird.
In den Jahren 2002-2004 fanden in ganz Estland kostenlose Computer- und Internetkurse für Erwachsene statt. Im Rahmen dieses weltweit einmaligen und ausschließlich durch Privatkapital finanzierten Schulungsprojekts Schau in die Welt (Vaata maailma) wurden 102 697 Bürger, d. h. 10 % der volljährigen Bevölkerung Estlands, weitergebildet. Meinungsumfragen zeigten, dass über 70 % der Teilnehmer nach dem Schulungsabschluss das Internet nutzten.
Im Jahr 2006 schlossen die vier größeren Partner des Projekts „Schau in die Welt“ in Zusammenarbeit mit dem Wirtschafts- und Kommunikationsministerium eine Kooperationsvereinbarung Computersicherheit 2009, deren Ziel es ist, Estland bis zum Jahr 2009 zu der sichersten Informationsgesellschaft der Welt auszubauen.
Das wichtigste Ziel der Initiative ist es, auch zukünftig die Sicherheit und Verlässlichkeit der Online-Services und Online-Lösungen, die zum estnischen wirtschaftlichen Erfolg maßgeblich beigetragen haben, zu gewährleisten. Damit soll das Vertrauen der Bürger und Bürgerinnen in die Online-Dienste gestärkt und die Fähigkeit vergrößert werden, mit dem Staat online einen Dialog zu führen. Zugleich soll das Bewusstsein für die im Internet lauernden Gefahren und für die Möglichkeiten, sich davor zu schützen, geschärft werden. Viel Wert wird darauf gelegt, die Möglichkeiten der elektronischen Benutzung der ID-Karte besser zu veranschaulichen.
E-Regierung-Akademie
Estland vermittelt seine Erfahrungen im Bereich der E-Regierung auch anderen Staaten. Die E-Regierung-Akademie (E-Riigi Akadeemia, www.ega.ee) hat bis heute über 500 Teilnehmer aus 36 Staaten geschult, darunter sind zum Beispiel Afghanistan, Albanien, Andorra, Armenien, Aserbaidschan, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, Georgien, Indien, Irak, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, Kosovo, Kroatien, Kuba, Mazedonien, Moldau, Mongolei, Montenegro, Namibia, Pakistan, Rumänien, Senegal, Serbien, Sri Lanka, Tadschikistan und Ungarn. E-Services mit ID-Karte und Mobiltelefon
ID-Karte
Nach dem Stand vom Januar 2008 besaßen über eine Million Einwohner Estlands (90 % der Bevölkerung) eine ID-Karte. Die estnische ID-Karte dient als Personalausweis, innerhalb der Europäischen Union auch als Reisepass und ist das wichtigste Mittel zur Personenidentifizierung bei der Nutzung der öffentlichen elektronischen Dienstleistungen. Mit der Identifizierung mittels der ID-Karte können zum Beispiel alltägliche Bankgeschäfte abgewickelt, die Steuererklärung online abgegeben, ein Busfahrschein erworben, die eigene digitale Unterschrift erstellt und sogar an den Wahlen teilgenommen werden. Darüber hinaus ist es im Internetportal X-Road möglich, eigene Personenangaben zu überprüfen.
E-Wahlen
Im Oktober 2005 konnten die Einwohner Estlands zum ersten Mal, ohne ihr Haus zu verlassen, an den Kommunalwahlen teilnehmen. Bei der Abgabe der elektronischen Stimme musste sich der Wähler mittels seiner ID-Karte identifizieren. Auch bei den Parlamentswahlen im Frühjahr 2007 war es möglich, die Stimme per Internet abzugeben, und 5 % der Wähler hat diese Möglichkeit auch genutzt.
Mit Hilfe des Mobilfunks wurde eine neue Zahlungsform entwickelt. Die zwei größten estnischen Banken bieten seit November 2002 die Möglichkeit, Zahlungen über Mobilfunk zu tätigen. Nach dem Stand vom Juli 2007 können über Mobilfunk an mehr als 2 000 Orten Zahlungen vorgenommen werden, darunter in Motels, Schönheitssalons, Geschäften, Taxi- und Gastronomieunternehmen. Diese Orte erkennt man an dem blaugelben Aufkleber mit der Aufschrift „Zahl mit Handy“. Zudem kann per Mobiltelefon eine Überweisung an eine Privatperson durchgeführt und ein Busfahrschein erworben werden.
M-Parken
Mit dem Mobiltelefon kann auch für das Parken gezahlt werden (M-Parken), indem man anruft oder eine SMS sendet. Zur Information des Parkplatzwächters wird ein entsprechender Aufkleber für das M-Parken an die Windschutzscheibe oder an die rechte Fensterscheibe des Fahrzeugs geklebt. E-Services im Bildungswesen
E-Schule
Seit 2003 können alle Schulen das webbasierte Kommunikationsportal für Schule und Zuhause E-Schule (eKool) benutzen. Ziel der E-Schule ist es, die Eltern aktiver in den Lehrprozess miteinzubeziehen, die Lehrinformationen für Kinder und Eltern zugänglicher zu machen und die Arbeit der Lehrer und Schulleitungen zu unterstützen. So können anhand der E-Schule die Noten und Fehlstunden der Schüler, die Stundeninhalte und Hausaufgaben sowie die Einschätzungen der Schüler durch ihre Lehrer am Ende der Lehrperiode eingesehen werden. Die E-Schule wird bereits von 220 estnischen Schulen benutzt – das macht 35 % der estnischen Schulen aus.
SAIS – Informationssystem zur Aufnahme an Hochschulen
Estnische Jugendliche können sich online um einen Studienplatz an einer Hochschule bewerben, d h. sie müssen nicht persönlich an der Hochschule erscheinen und den Aufnahmeantrag stellen. Im Jahr 2007 wurden über 350 000 Anträge über SAIS eingereicht. 80 % der estnischen Studenten studieren heute an Hochschulen, die SAIS nutzen.
Prüfungsergebnis-Benachrichtigung per SMS
Die Schulabgänger der Oberschulen in Estland können die Ergebnisse ihrer Abiturprüfung per SMS erfahren. Auf diese Weise wird der Schulabgänger gleich nach der Benotung seiner Prüfung mit einer Kurzmitteilung über das Ergebnis benachrichtigt. Im Jahr 2008 haben etwa 60 % derjenigen, die die Prüfung abgelegt hatten, eine SMS-Benachrichtigung über die Prüfungsergebnisse erbeten.
 
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