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Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kultur, Bildung und Wissenschaft


Bildungskooperation

Im Laufe der Jahre haben sich zwischen einer Reihe von estnischen und deutschen Universitäten enge und vielfältige Beziehungen entwickelt. Seit 1992 fördert die Bundesrepublik über den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen des mittel- und osteuropäischen Sonderprogramms die Zusammenarbeit zwischen den estnischen und deutschen Hochschulen.

Die Bundesregierung unterstützt zudem auch das Europa-Kolleg der Universität Tartu, das auf Initiative des Ostseerats gegründet wurde, mit dem Ziel, zur Reform des Studiums der Sozialwissenschaften in den baltischen Ländern beizutragen. In Tallinn ist die Kontaktstelle der FernUniversität Hagen, der einzigen deutschen Hochschule, die sich in ihrem Angebot auf die Möglichkeiten des Fernstudiums spezialisiert hat, angesiedelt.

Die seit 1997 jährlich in Tartu stattfindende deutsch-estnische akademische Woche Academica" zählt bereits zu den vertrauten Traditionen, die auch von deutschen Unternehmen unterstützt wird. Der alleinige Partner der letzten Academica", die vom 1. bis 5. November 2010 durchgeführt wurde, war die Universität Münster, mit der die Universität Tartu seit 1994 Partnerschaftsbeziehungen unterhält.

Das im Jahr 2002 zwischen der estnischen und der deutschen Regierung unterzeichnete Abkommen über schulische Zusammenarbeit trug dazu bei, das von Deutschland angebotene Programm für die estnischen Gymnasien, an denen vertieft Deutsch unterrichtet wird, staatlich zu regulieren und zu verwirklichen. Aufgrund des Abkommens wurden an einigen Schulen, zum Beispiel im Deutschen Gymnasium Tallinn, im Gymnasium Tartu-Raatuse, deutschsprachige Abteilungen eingerichtet.

Die Schulabgänger dieser Gymnasien erhalten neben dem estnischen Abschlusszeugnis das deutsche Abitur, das sie zum Studium an den deutschen Hochschulen berechtigt. Der Anteil der deutschen Sprache unter den an den allgemeinbildenden Schulen Estlands unterrichteten Fremdsprachen hat in den Jahren etwas abgenommen, dennoch konnte Deutsch den dritten Platz hinter Englisch und Russisch beibehalten.

Zurzeit wird die estnische Sprache und Kultur an den Universitäten in München, Hamburg und Göttingen gelehrt. Seit dem Herbstsemester 2005 unterrichtet eine vom estnischen Staat entsandte Lehrkraft für Estnisch an der Universität Göttingen.

Kulturelle Kooperation

Die rechtliche Grundlage für die deutsch-estnischen kulturellen Beziehungen wurde mit dem im Jahr 1993 unterzeichneten Abkommen über kulturelle Zusammenarbeit geschaffen. In den letzten Jahren findet die Zusammenarbeit überwiegend durch den freien und direkten Kulturaustausch sowie durch direkte Kontakte statt. Da die Themen der Kultur und Bildung in Deutschland in die Zuständigkeit der Bundesländer fallen, erfolgt die Zusammenarbeit in diesen Bereichen vor allem auf der Ebene der Bundesländer. Die mit Estland verbundenen kulturellen Vorhaben werden hauptsächlich von den Partnerstädten bzw. Partnerregionen durchgeführt.

Zu den bedeutendsten Institutionen, die die deutsche Kultur in Estland vermitteln sollen, zählen das in Tallinn und Tartu tätige Deutsche Kulturinstitut sowie das in Tallinn eröffnete Goethe-Institut.

Seit dem Herbst 2016 ist Merit Kopli als Kulturattachée an der Botschaft der Republik Estland in Berlin tätig. Sie trägt zur Weiterführung der kulturellen Kontakte zwischen den beiden Ländern und zum Ausbau des bilateralen Kulturaustausches bei.

Der Kulturkalender 2010 umfasste vielfältige Veranstaltungen deutschlandweit, und im Rahmen zahlreicher Ausstellungen, Festivals und Konzerte wurden dem Publikum estnische Filmkunst, Musik, bildende Kunst sowie Mode präsentiert.

Film

Estnische Filme wurden 2010-2011 unter anderem im Juni 2010 auf dem 26. Internationalen Kurzfilmfestival in Hamburg, im Oktober 2010 auf dem 6. Baltic Film Festival Berlin und im November 2010 im Rahmen der 52. Nordischen Filmtage in Lübeck gezeigt. Im März 2011 widmeten sich die Estnischen Filmtage München dem Filmschaffen aus Estland.

Kunst

In der Botschaft der Republik Estland in Berlin finden seit der Wiedereröffnung 2001 stetig wechselnde Ausstellungen estnischer und deutscher Künstler statt. 2008 stellte die junge Künstlerin Siiri Taimla ihre Bilder unter dem Motto „Lauf des Lebens“ aus, 2009 folgte Sirja-Liisa Vahtra mit ihrer Ausstellung „Ö><Õ“. Im ersten Halbjahr 2011 präsentierte die Künstlerin Eve Kask in der Fotoausstellung „Was wollen die Esten“ die 101 Augenpaare und Wünsche estnischer Parlamentarier.

Darüber hinaus eröffneten der estnische Botschafter Dr. Mart Laanemäe, die Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf in Berlin, Monika Thiemen, und die estnische Modedesignerin Liina Viira am 23. November 2010 im Heimatmuseum Charlottenburg-Wilmersdorf eine Weihnachtsausstellung „Maschen, Mode und Magie. Folklore und Weihnachtsbräuche in Estland“.

Von September 2010 bis Ende März 2011 konnte in Petershagen in der Ausstellung im LWL-Industriemuseum in der Glashütte Gernheim die Formschönheit der estnischen Glaskunst bewundert werden. Im September 2010 wurde in der Galerie des Märkischen Künstlerhofes in Brieselang bei Berlin eine Ausstellung „Estland in Brieselang“ mit den Werken von den sechs zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern Siim-Tanel Annus, Mall Nukke, Laura Põld, August Künnapu, Jaan Elken und Mare Vint eröffnet. Der Künstler Siim-Tanel Annus stellte im Herbst 2010 seine
Reliefbilder zum Thema „Geld und Poesie“ in Hamburg aus, und Henry-Orma Voog zeigte sein Schaffen unter dem Motto „Welt in Bewegung“ in Berlin.

Die Giedre Bartelt-Galerie in Berlin hat sich der Vermittlung estnischer, lettischer und litauischer zeitgenössischer Kunst verschrieben. Seit 2003 sind unter anderem Werke von estnischen Künstlern und Künstlerinnen wie Peeter Laurits, Toomas Kalve, Liina Siib, Mark Raidpere, Ly Lestberg und August Künnapu gezeigt worden.

Mehrfach ist die Wanderausstellung des Estnischen Instituts „Das Estland der Gutshöfe 
Zeugnisse deutschbaltischer Kultur in den letzten Jahren in Deutschland“ (in Caputh, Stuttgart, Berlin, Gotha) gezeigt worden, das letzte Mal im November 2010 in Langenfeld/NRW.

Neben der estnischen Filmkunst bot sich im Frühjahr 2011 den Münchnern die Gelegenheit, in der Ausstellung „Linnu Eesti – ein Vogelflug über Estland“ das Land über die Luftbildaufnahmen von Endel Grensmann im Gasteig München kennen zu lernen.

Literatur

Auf der jährlich stattfindenden Leipziger Buchmesse nimmt Estland seit 2006 an der internationalen Veranstaltungsreihe „Kleine Sprachen - Große Literaturen“ teil. 2009 wurde Estland auf der Messe durch die Dichterin Elo Viiding und die Übersetzerin-Moderatorin Irja Grönholm vertreten. Auf der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse Saarbrücken, die im Mai 2011 stattfand, traten die estnischen Kinderbuchautorinnen Piret Raud und Kristiina Kass mit Lesungen auf.

Im Oktober 2009 fanden in Berlin die ersten „European Poetry Slam Days“ mit 200 Poetry Slam-Vertretern aus ganz Europa statt. Der Este Jaan Malin kam im Dichter-Wettstreit unter die besten drei Slam-Poeten. Im Oktober 2010 nahm Jaan Malin erneut mit Erfolg an zwei Slam-Abenden im Rahmen des Literaturfestivals Reuterkiez 2010 in Berlin teil.

Musik

Neben dem weltberühmten Maestro Neeme Järvi haben sich mehrere estnische Dirigenten in Deutschland einen Namen gemacht. Paavo Järvi ist seit 2004 Künstlerischer Leiter der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen, 2006 wurde er Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters Frankfurt am Main. Im Oktober 2010 erhielt Järvi als Dirigent des Jahres den renommierten Musikpreis „Echo Klassik 2010“. Sein Bruder Kristjan Järvi wird zur Spielzeit 2012/2013 neuer Chefdirigent des MDR-Sinfonieorchesters. Der junge Dirigent Mihkel Kütson erhielt im Oktober 2006 den Deutschen Dirigentenpreis. Nach seinen Engagements an der Niedersächsischen Staatsoper Hannover und als Generalmusikdirektor am Landestheater Schleswig-Holstein wird er zur Saison 2012/2013 neuer Generalmusikdirektor des Theaters Krefeld und Mönchengladbach.

Die estnische Dirigentin Kristiina Poska war 2006-2011 Chefdirigentin der „Cappella academica“, des Sinfonieorchesters der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Januar 2011 gewann sie den 3. „Deutschen Operettenpreis für junge Dirigenten“, verliehen von der Oper Leipzig und dem Dirigentenforum des Deutschen Musikrates. Im August 2012 wird Kristiina Poska Kapellmeisterin der Komischen Oper Berlin.

Im Rahmen verschiedener Festivals konnte das deutsche Publikum auch im Jahr 2011 die estnische traditionsreiche Chormusik erleben: Auf dem Folkbaltica-Festival in Flensburg etwa trat im April der Mädchenchor des Estnischen Fernsehens auf, ebenfalls im April nahm der Akademische Männerchor Tartu mit Erfolg am Internationalen Chöre Festival Berlin teil. Ferner war und ist der
Estnische Philharmonische Kammerchor wieder und wieder ein gern gesehener Gast auf deutschen Bühnen wie zum Beispiel 2010 in Stuttgart, Kassel und Dortmund, 2011 in Lörrach und Berlin.

Estnische Jazzmusiker sind häufig zu Gast auf verschiedenen Festivals in Deutschland und treten in Konzerten auf. Im November 2009 wurde in Zusammenarbeit mit der Botschaft im „Junction Club" in Berlin-Kreuzberg ein Jazzabend veranstaltet – es traten Siiri Sisask und ihre Band „Jälg“ auf.

Vom 24. September bis 31. Oktober 2009 erfreute die in Estland sehr beliebte Ethno-Metal-Band „Metsatöll“ das Publikum in vielen europäischen Ländern, darunter auch in den deutschen Städten Hamburg, Hamm, Köln, Jena, Karlsruhe. Ferner trat die Band im August 2010 auf dem etablierten Heavy-Metal-Festival Wacken Open Air auf.

Theater

Estnische Theater und Dramaturgie sind stetig auf den Theaterfestivals und im Repertoire der Theater in Deutschland vertreten. Besondere Erwähnung verdient der Heidelberger Stückemarkt, wo Estland im Mai 2009 das Gastland dieses alljährlich stattfindenden bekannten Theatertreffens und Autorenwettbewerbs für neue Dramatik war. Im europäischen Autorenwettbewerb wurden von insgesamt fünf Preisen drei Preise an die estnischen Autoren Jim Ashilevi, Andrus Kivirähk und Urmas Lennuk vergeben.

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