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Zusammenarbeit mit den Bundesländern

12.01.2009

Gute Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland gehören zu einer der Prioritäten der estnischen Außenpolitik. Das Hauptgewicht der Beziehungen wird immer mehr auf die regionale Zusammenarbeit verlagert.

Die Beziehungen zwischen Schleswig-Holstein und Estland haben bereits vor einigen Jahrzehnten einen Anlauf genommen. Heute unterhalten estnische Städte und Kommunen Beziehungen mit etwa 20 Regionen des Bundeslandes Schleswig-Holstein. Partnerschaftliche Beziehungen bestehen zwischen den Schulen und Kirchengemeinden; Dutzende estnische Studenten studieren an den Universitäten Schleswig-Holsteins, insbesondere in Kiel.

Im September 1995 wurde in Tallinn das Büro des Bundeslandes Schleswig-Holstein eröffnet, und seither unterhält das Bundesland auch die erste Repräsentanz einer deutschen Bank in Tallinn – die Außenstelle der HSH Nordbank AG.

Auf der Grundlage der Partnerschaft zwischen den Industrie- und Handelskammern Tallinn und Kiel wurde die Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft in Estland gegründet, die heute den Namen Deutsch-Baltische Handelskammer trägt.

Die Beziehungen zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Estland nahmen ihren Anlauf in den 70er Jahren, als die Partnerschaft zwischen Schwerin und Tallinn sowie dem Landkreis Parchim und dem Landkreis Valga geknüpft wurde. Darüber hinaus sind Partnerschaftsbeziehungen zwischen so manchen anderen Kommunen aufgenommen worden.

Die Kontakte auf dem Gebiet der Landwirtschaft gehen in das Jahr 1999 zurück. Das letzte unterzeichnete Partnerschaftsabkommen für die Jahre 2008-2010 zielt darauf ab, die Zusammenarbeit im Bereich der Hochschulbildung, des ökologischen Anbaus und der Erhaltung des landwirtschaftlichen Kulturerbes zu pflegen.

Zwischen dem Bundesland Baden-Württemberg und Estland bestehen Berührungspunkte in etlichen Bereichen. Estnische Unternehmer haben an den von den Handels- und Wirtschaftskammern Baden-Württembergs veranstalteten Wirtschafts-Informationstagen teilgenommen. Zudem nehmen die bilateralen Beziehungen auf der offiziellen Ebene zu. Im Januar 2008 besuchte der Wirtschafts- und Kommunikationsminister Juhan Parts, der von einer estnischen Wirtschaftsdelegation begleitet wurde, das Bundesland, um das günstige estnische Wirtschafts- und Steuersystem und Lösungen im Bereich der Infotechnologie vorzustellen. Im April 2008 stattete der Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg, Ernst Pfister, mit einer Delegation aus dem Bereich Wirtschaft und Hochschulwesen, einen Besuch in Tallinn ab. Im November 2008 unterzeichneten die beiden Amtskollegen Juhan Parts und Ernst Pfister in Stuttgart eine Kooperationsvereinbarung, damit die wirtschaftliche Zusammenarbeit beider Länder weiterhin intensiviert wird. 

Eine gute Zusammenarbeit verbindet die baden-württembergischen und estnischen Hochschulen – die Universitäten Konstanz und Tartu; die Estnische Kunstakademie und die Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart sowie die Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe; die Estnische Musikakademie und die Staatliche Hochschule für Musik Karlsruhe sowie die Pädagogische Hochschule Heidelberg. Am 30./31. März 2007 fand in Stuttgart die 7. traditionelle DesignkonferenzFace to Face“ mit Estland als Partnerland statt.

Im Rahmen des von der Botschaft in Berlin initiierten Programms „E wie Estland“, das anlässlich des 90. Jahrestags der Republik Estland vom Januar bis Juni 2008 im Bundesland Baden-Württemberg abgehalten wurde, fand eine Reihe von Kultur-, Wirtschafts- und Tourismusveranstaltungen statt, an deren Realisierung sich aus Estland neben dem Kultur- und Außenministerium auch die Wirtschaftsförderung Estlands, die Industrie- und Handelskammer sowie das Bildungs- und Wissenschaftsministerium beteiligten. Der 90. Geburtstag der Republik wurde am 11. März 2008 in der Vertretung des Bundeslandes Baden-Württemberg und in den Räumlichkeiten der Botschaft in Berlin mit einer Festveranstaltung gefeiert, die von dem estnischen Ministerpräsidenten Andrus Ansip und dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther H. Oettinger eröffnet wurde.

Die Beziehungen zwischen der Hansestadt Hamburg und Estland gehen auf den mittelalterlichen Städtebund der Hanse zurück. Ein Beweis für die historische Verbundenheit ist das Wappen von Tallinn (ehemals Reval), das das Rathaus von Hamburg schmückt.

Auch heute sind Hamburg und Estland durch gemeinsame Interessen an einer engen Kooperation im Ostseeraum verbunden. Die Vertretung der Wirtschaftsförderung Estlands (Enterprise Estonia) in Hamburg trägt aktiv zur bilateralen Kooperation bei.

Als Partnerland nahm Estland im Mai 2006 an den Feierlichkeiten anlässlich des 817. Geburtstags des Hamburger Hafens teil. Im Rahmen eines großen Estland-Festes gab es landestypische Unterhaltung, Tanz, Musik, kulinarische Köstlichkeiten und Kunsthandwerk, außerdem wurden Ausstellungen estnischer Kunst gezeigt.

Als eines der wichtigsten Kooperationsprojekte zwischen Estland und Hamburg kann die Schaffung von Freihandelszonen (Freihäfen) in estnischen Häfen bezeichnet werden. Estnische Unternehmer nehmen an den traditionellen Messen in Hamburg wie der Internationalen Schiffbau-Messe SMM und der Internationalen Bootsausstellung Hanseboot teil. In der letzten Zeit interessieren sich die Esten in zunehmendem Maße für die Windenergie-Messe wie auch für die Tourismusmesse Reisen Hamburg. Das Unternehmen AS Tallinna Sadam hat sich auf der alle zwei Jahre stattfindenden Kreuzfahrtmesse Seatrade Europe präsentiert.

Das Baltic Sea Forum (ehemals Pro Baltica Forum), das in Hamburg tätig ist, zielt seit seiner Gründung im Jahr 1992 darauf ab, die internationale wirtschaftliche, politische und kulturelle Kooperation zu fördern.

Zwischen Sachsen-Anhalt und Estland bestehen ebenfalls enge Beziehungen. Mehrere hochrangige gegenseitige Besuche haben stattgefunden. Im November 2004 fand ein Besuch des Ministerpräsidenten Juhan Parts, der von einer estnischen Wirtschaftsdelegation begleitet wurde, in dem Bundesland statt. Während seines Besuches in Estland im Oktober 2005 traf Ministerpräsident Prof. Dr. Wolfgang Böhmer mit Ministerpräsident Andrus Ansip zusammen.

Eine besonders enge Kooperation verbindet Estland mit Sachsen-Anhalt im Bereich der Landwirtschaft – im September 2006 wurde eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

Die Beziehungen zwischen dem Freistaat Sachsen und Estland bestehen bereits seit Jahrhunderten. Im 18. Jahrhundert studierten einige Baltendeutsche an der Kunstakademie Dresden. Die dortigen Künstler wiederum gingen nach Nord-Europa; das bestätigen zahlreiche Gemälde und Kupferstiche, auf denen das damalige Estland festgehalten wurde.

Seit Jahrzehnten ist die Zusammenarbeit zwischen den estnischen und sächsischen Universitäten sehr rege; so sind zum Beispiel viele estnische Ingenieure an den Universitäten in Dresden, Leipzig oder Chemnitz ausgebildet worden. Die Technische Universität Tallinn hat mehrere Kooperationsprojekte mit der Technischen Universität Dresden, vor allem auf dem Gebiet der Digitalelektronik sowie mit der Universität Chemnitz auf dem Gebiet der Energetik. Gegenwärtig unterhalten fünf estnische Hochschulen im Rahmen des Erasmus-Programms Partnerschaftsbeziehungen mit sächsischen Hochschulen.

Besondere Erwähnung verdient auch die Zusammenarbeit des estnischen Innenministeriums und der Polizeibehörden mit den Bundesländern auf dem Gebiet der vorbeugenden Kriminalitätsbekämpfung.

 

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