Zusammenarbeit mit den Bundesländern

15.09.2011
Gute Beziehungen mit der
Bundesrepublik Deutschland gehören zu einer der Prioritäten der estnischen
Außenpolitik. Das Hauptgewicht der Beziehungen wird immer mehr auf die
regionale Zusammenarbeit verlagert.
Die
Beziehungen zwischen Schleswig-Holstein
und Estland haben bereits vor einigen Jahrzehnten einen Anlauf genommen. Heute
unterhalten estnische Städte und Kommunen Beziehungen mit etwa 20 Regionen des
Bundeslandes Schleswig-Holstein. Im April 2011 zum Beispiel begangen die
Gemeinde Tarp und die Stadt Otepää das 20. Jubiläum ihrer Partnerschaft
und im Juni feierten Kiel und Tallinn ihre 25-jährige Städtepartnerschaft.
Ferner bestehen partnerschaftliche Beziehungen zwischen den Schulen und
Kirchengemeinden; Dutzende estnische Studenten studieren an den Universitäten
Schleswig-Holsteins, insbesondere in Kiel.
Am 13. April 2011 wurde das
Honorarkonsulat der Republik Estland in Kiel feierlich wiedereröffnet. Klaus-Hinrich Vater, der Kieler
IT-Unternehmer und Präsident der IHK zu Kiel, ist seit November 2010 der neue estnische Honorarkonsul für
Schleswig-Holstein.
Im September 1995 wurde
in Tallinn das Büro des Bundeslandes Schleswig-Holstein eröffnet, und seither
unterhält das Bundesland auch die erste Repräsentanz einer deutschen Bank in
Tallinn – die Außenstelle der HSH Nordbank AG.
Auf der Grundlage der
Partnerschaft zwischen den Industrie- und Handelskammern Tallinn und Kiel wurde
die Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft in Estland gegründet, die heute den
Namen Deutsch-Baltische Handelskammer trägt.
Die Beziehungen zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Estland
nahmen ihren Anlauf in den 70er Jahren, als die Partnerschaft zwischen Schwerin
und Tallinn sowie dem Landkreis Parchim und dem Landkreis Valga geknüpft wurde.
Darüber hinaus sind Partnerschaftsbeziehungen zwischen so manchen anderen
Kommunen aufgenommen worden.
Zwischen dem Bundesland Baden-Württemberg und Estland bestehen
Berührungspunkte in etlichen Bereichen und auf allen Ebenen. Der estnische
Honorarkonsul in Baden-Württemberg, Senator h.c. Helmut Aurenz, trägt intensiv
zur Pflege des Netzwerks zwischen den beiden Ländern bei. Estnische Unternehmer
haben an den von den Handels- und Wirtschaftskammern Baden-Württembergs
veranstalteten Wirtschafts-Informationstagen teilgenommen.
Den Höhepunkt der
Beziehungen zwischen Estland und Baden-Württemberg bildete der Besuch des
Ministerpräsidenten Andrus Ansip und seiner Wirtschaftsdelegation, die
sich aus Unternehmern der Branche Erneuerbare Energien und Energietechnologie
zusammensetzte, im Juli 2009 in Stuttgart. Zudem fand im Rahmen des Besuchs ein
Wirtschaftsforum statt, auf dem sich die badenwürttembergischen Unternehmen
über die Investitionsmöglichkeiten in Estland informieren konnten.
Eine gute Zusammenarbeit
verbindet die baden-württembergischen und estnischen Hochschulen – die
Universitäten Konstanz und Tartu; die Estnische Kunstakademie und die Staatliche
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart sowie die Akademie der Bildenden Künste
Karlsruhe; die Estnische Musikakademie und die Staatliche Hochschule für Musik
Karlsruhe sowie die Pädagogische Hochschule Heidelberg.
Die Beziehungen zwischen
der Hansestadt Hamburg und Estland
gehen auf den mittelalterlichen Städtebund der Hanse zurück. Ein Beweis für die
historische Verbundenheit ist das Wappen von Tallinn (ehemals Reval), das das
Rathaus von Hamburg schmückt. Auch heute sind Hamburg und Estland durch
gemeinsame Interessen an einer engen Kooperation im Ostseeraum verbunden. Die Vertretung
der Wirtschaftsförderung Estlands (Enterprise Estonia) in Hamburg trägt aktiv
zur bilateralen Kooperation bei. Der Honorarkonsul Dr. Ulf-E. Lange vertritt ebenfalls die Interessen
Estlands in Hamburg, wobei er als erster estnischer Honorarkonsul in
Deutschland bereits 1993 dieses Ehrenamt übernahm.
Als eines der wichtigsten
Kooperationsprojekte zwischen Estland und Hamburg kann die Schaffung von
Freihandelszonen (Freihäfen) in estnischen Häfen bezeichnet werden. Estnische
Unternehmer nehmen an den traditionellen Messen in Hamburg wie der
Internationalen Schiffbau-Messe SMM und der Internationalen Bootsausstellung
Hanseboot teil. In der letzten Zeit interessieren sich die Esten in zunehmendem
Maße für die Windenergie-Messe wie auch für die Tourismusmesse Reisen Hamburg.
Das Unternehmen AS Tallinna Sadam hat sich auf der alle zwei Jahre
stattfindenden Kreuzfahrtmesse Seatrade Europe präsentiert.
Das Baltic Sea Forum
(ehemals Pro Baltica Forum), das in Hamburg tätig ist, zielt seit seiner
Gründung im Jahr 1992 darauf ab, die internationale wirtschaftliche, politische
und kulturelle Kooperation zu fördern.
Die Beziehungen zwischen
dem Freistaat Sachsen und Estland
bestehen bereits seit Jahrhunderten. Im 18. Jahrhundert studierten einige
Baltendeutsche an der Kunstakademie Dresden. Die dortigen Künstler wiederum
gingen nach Nordeuropa; das bestätigen zahlreiche Gemälde und Kupferstiche, auf
denen das damalige Estland festgehalten wurde.
Seit Jahrzehnten ist die
Zusammenarbeit zwischen den estnischen und sächsischen Universitäten sehr rege;
so sind zum Beispiel viele estnische Ingenieure an den Universitäten in
Dresden, Leipzig oder Chemnitz ausgebildet worden. Die Technische Universität
Tallinn hat mehrere Kooperationsprojekte mit der Technischen Universität
Dresden, vor allem auf dem Gebiet der Digitalelektronik sowie mit der
Universität Chemnitz auf dem Gebiet der Energetik. Gegenwärtig unterhalten fünf
estnische Hochschulen im Rahmen des Erasmus-Programms Partnerschaftsbeziehungen
mit sächsischen Hochschulen.
Besondere Erwähnung
verdient auch die Zusammenarbeit des estnischen Innenministeriums und der
Polizeibehörden mit den Bundesländern auf dem Gebiet der vorbeugenden Kriminalitätsbekämpfung.
Die
Beziehungen zwischen Nordrhein-Westfalen
und Estland gehen bis in die fernere Vergangenheit zurück. Die Familie von
Glehn zum Beispiel, die nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1646) nach Estland
geflüchtet ist, stammt aus dem Rheinland. Das bekannteste Mitglied der Familie,
Nikolai von Glehn, war der Erbauer eines Schlosses mit Parkanlage in Tallinn-Nõmme.
Im November 2009 traf
Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves mit dem Ministerpräsidenten des Landes
Nordrhein-Westfalen, Dr. Jürgen Rüttgers, in Düsseldorf zu einem
Meinungsaustausch zusammen. Staatspräsident Ilves wurde bei seinem Besuch in
Nordrhein-Westfalen von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Im Rahmen des
Besuchs nahm der Staatspräsident zudem an der Amtseinführung des neuen
estnischen Honorarkonsuls im Bundesland, Horst-Werner Maier-Hunke, seit 2004
Arbeitgeberpräsident in Nordrhein-Westfalen, teil.
Die wirtschaftliche Kooperation
zwischen dem Freistaat Bayern und
Estland hat einen neuen Aufschwung bekommen. In der Industrie- und
Handelskammer für München und Oberbayern fand im März 2008 zum ersten Mal der auf
die baltischen Staaten, darunter Estland, ausgerichtete Wirtschaftstag statt.
In den letzten Jahren konnte nunmehr das wachsende Interesse der bayerischen
Unternehmen verzeichnet werden. Die bereits stattgefundenen Treffen haben eine
gute Grundlage für die Vertiefung der Wirtschafts- und Geschäftsbeziehungen
zwischen Bayern und Estland geschaffen. Im Januar 2011 traf der estnische
Wirtschafts- und Kommunikationsminister Juhan Parts zu einem Gespräch mit Bayerns
Wirtschaftsminister Martin Zeil in München zusammen und besuchte ferner dortige
Unternehmen. Der Minister wurde während seines Besuchs von dem estnischen
Honorarkonsul in Bayern, vom Unternehmer Klaus Luft, begleitet und unterstützt.
An den jährlich
stattfindenden hochrangigen Münchner Sicherheitskonferenz hat neben den
estnischen Außen- und Verteidigungsministern auch Staatspräsident Toomas
Hendrik Ilves teilgenommen.
 
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