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E-Government: Estland bestätigt Ruf als Vorreiter

27.01.2012

27.01.2012 

Daniela Friedinger (Wirtschaftsblatt)

Volkszählung. Die Teilnahme via Internet übertrifft die Erwartungen. Das Ergebnis wird den Bevölkerungsschwund aufzeigen.

Tallinn. Estland wird seinem Ruf als Pionier in Sachen E-Government gerecht: Bei der derzeit stattfindenden Volkszählung haben bereits knapp 40 Prozent der Esten ihren Fragebogen online ausgefüllt. Damit wurden die Erwartungen des Amtes für Statistik in Tallinn deutlich übertroffen. Dort war man davon ausgegangen, dass nur rund 25 Prozent online an der Zählung teilnehmen werden.

Estland war auch schon bei der Einführung von Wahlen via Internet sowie der elektronischen Erledigung von Behördenwegen Vorreiter. Und was das Schrumpfen seiner Bevölkerung betrifft, könnte Estland gemeinsam mit den beiden anderen baltischen Staaten ebenfalls eine (traurige) Führungsrolle einnehmen, denn Prognosen zufolge soll bei der noch bis Ende Mai laufenden Volkszählung ein Ergebnis herauskommen, das weit unter der zuletzt erhobenen Bevölkerungszahl von 1,34 Millionen Esten liegt.

Eine Studie geht sogar davon aus, dass Estland, Lettland und Litauen zusammen in den vergangenen zwei Jahrzehnten 1,5 Millionen Menschen eingebüßt haben. Damit sind den Ländern fast 20 Prozent ihrer Gesamtbevölkerung abhanden gekommen. Besonders groß ist die Abwanderung in Lettland: Laut Mihails Hazans, Professor an der Universität Riga, haben allein seit Ausbruch der Wirtschaftskrise 2008/09 rund 80.000 Letten das Land verlassen.

Keine Rückholprämie

Ein Grund dafür war freilich, dass die drei Länder, die einst den Namen "Baltische Tiger" trugen, von der Rezession so stark betroffen waren wie keine anderen Staaten der EU. Esten zog es daher oft als Tages-und Wochenpendler nach Finnland, Letten und Litauer emigrierten bevorzugt nach Großbritannien, Irland, Norwegen und Schweden. Doch auch jetzt, wo es umgekehrt im Baltikum stärker aufwärts geht als anderswo in Europa, kehren die wenigsten Balten zurück. Das mag unter anderem an fehlenden Anreizen liegen: Denn während Polen seinen Rückkehrern aus der Arbeitsemigration eine Steueramnestie gewährte, unternehmen die baltischen Regierungen bislang nichts, um Auswanderer wieder heimzuholen.

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