Deutsch
Eesti English
Informationen und Presse »

Reisen Online Focus - die Insel MUHU

30.05.2013


Lesen Sie den Artikel über die Insel Muhu und das Hotel/Restaurant Pädaste

www.focus.de/kultur/medien/reise-special-sommer-2013


Hier nun der ganze Artikel:

FOCUS Magazin | Nr. 11 (2013)

REISE-SPECIAL SOMMER 2013

Im Osten was Neues

Montag, 11.03.2013, · von FOCUS-Redakteurin Ellen Daniel

 

Manche Orte sind so gemütlich, wie sie klingen. Die winzige estnische Insel Muhu an der Rigaer Bucht gehört dazu. Hier kann man wunderbare Tage auf einem ehemaligen deutschen Rittergut verbringen

 

Es gibt Orte, an denen die Historie so offen zu Tage tritt wie Jahresringe in einem Baumstumpf. Auf der estnischen Insel Muhu liegt ein solcher Ort: Pädaste. Das Dorf mit Blick auf die Rigaer Bucht ist so still wie die Hornhechte, die man hier mit ein bisschen Glück fangen kann. Trotzdem hat es alles mitgemacht, was den Balten durch die Jahrhunderte an Aufregungen zugemutet wurde.

Hinter Tannen und Wacholderbüschen versteckt sich in Pädaste ein Rittergut. Heute Hotel, früher Sitz der deutschbaltischen Familie von Buxhoeveden. Die pflegte enge Beziehungen zum russischen Zarenhof. Zu eng, wie der letzte Patriarch von Pädaste erfahren musste: Alexander von Buxhoeveden starb durch die Kugel russischer Krieger. Es war Revolution, der Fluchtweg über das zugefrorene Haff riskant und der adelige Herr in der Kutsche seinen Mördern schutzlos preisgegeben.

Für die Wiedererwecker, die das verwilderte Anwesen kauften, war schnell klar: „Wir setzen unseren Fuß auf historischen Boden. Aber wir wollten auch etwas völlig Neues schaffen.“ So beschreibt es der niederländische Hausherr Martin Breuer, der Pädaste gemeinsam mit seinem auf Muhu geborenen Geschäftspartner Imre Sooäär führt.

Die beiden sind leidenschaftliche Gourmets mit einem Faible für Experimente. Ihr Hotelrestaurant heißt zwar nach dem letzten Gutsherrn auf Pädaste „Alexander“. Der allerdings wäre ziemlich überrascht von der Speisekarte.

Küchenchef Peeter Pihel gehört zur Avantgarde der New Nordic Cuisine. Er arbeitet eng mit dem Kopenhagener Sterne-Tempel „Noma“ zusammen. Pihel möchte, dem Dogma der Nordländer folgend, vorwiegend solche Speisen servieren, die die Natur vor der Haustür hergibt. Gastrokritiker haben ihn dafür mehrfach mit dem Prädikat „Bestes Restaurant Estlands“ belohnt.

Neben Fisch, dem Fleisch hauseigener Rinder und vielen Räucheraromen sind das vor allem intensiv duftende Wildkräuter. Mutige Esser können Flechten und Moose verkosten, die so raffiniert zubereitet werden, dass sie schmecken. Eine Schilfart aus dem eigenen Teich taugt als zartes Gemüse, ein Wiesenschaumkraut erinnert an Koriander. Als Digestif wird Myrtenlikör gereicht. Der Koch ist sogar so verwegen, seinen Gästen hin und wieder Seehund zu servieren. „Die stehen hier seit Jahrhunderten auf dem Speisezettel“, sagt Pihel, der gegen einen „verkitschten Tierschutz“ kämpft und auch sonst ein streitbarer Mann ist. Wem das zu viel wird, der findet im Seehaus auch ein „normales“ Restaurant mit den Standards der internationalen Hotelküche.

Ausgerechnet die Sowjets haben entscheidend dazu beigetragen, dass nicht nur die Seehund-Populationen der estnischen Inseln prächtig gedeihen konnten. Über Jahrzehnte war das kleine Eiland Muhu militärisches Sperrgebiet. Das vertrieb viele Insulaner, die als Bauern und Fischer drangsaliert wurden und kaum noch ihr Auskommen fanden.

Heute bietet Muhu seinen knapp 2000 Bewohnern wieder erfreuliche Perspektiven: Die malerische Karstlandschaft mit ihren niedrigen Birkenwäldchen und Wacholderbüschen ist Naturjuwel und Ferienort. Mit den Nachbarinseln Saaremaa, Hiiumaa und Vormsi bildet es sogar ein Biosphären-Reservat unter Schutz der Unesco.

Wer sich das elegante und mit allen Annehmlichkeiten eines 5-Sterne-Hotels ausgestattete „Pädaste Manor“ nicht leisten möchte, findet auf Muhu preiswerte Privatunterkünfte. Sogar einen sehr romantischen Campingplatz gibt es. Saison ist von März bis Ende Oktober. Im Winterhalbjahr fällt Muhu dann in einen märchentiefen Schlaf.

Im Sommer kommen neben internationalem Publikum auch viele Einheimische. „Jede Estin, die halbwegs romantisch ist, träumt von einer Hochzeit auf Gut Pädaste“, sagt Martin Breuer. Inzwischen müsse er leider viele Anfragen absagen.

Ruhe und viele Gelegenheiten zu tiefer Entspannung sind den Hausherren heilig. Schließlich ist einer der beiden ein echter Este. Die sind als passionierte und genüssliche Schweiger berühmt. Wer einmal eine Mittsommernacht lang hinaus auf die Ostsee geschaut hat, versteht, worum es geht.

Estlands Inseln Ostsee-Glück KLEIN & UNENTDECKT Mit Auto & Autofähre ist Muhu in knapp drei Stunden von Tallinn aus erreichbar. Ein Damm verbindet Muhu mit der bekannteren Nachbarinsel Saaremaa. Das Hotel „Pädaste Manor“ liegt an der Südspitze der Insel und direkt am Meer. DZ ab 214 Euro pro Nacht. Geöffnet von März bis Ende Oktober. www.padaste.ee

 

»Es war klar, dass wir unseren Fuß auf historischen Boden setzen. Aber wir wollten auch etwas völlig Neues schaffen« Imre Sooäär & Martin Breuer Inselbewohner und Eigentümer von „Pädaste Manor



TopBack

© Botschaft der Republik Estland in Berlin Hildebrandstraße 5, 10785 Berlin, Tel. (49) 30 254 606 02, E-Mail: Embassy.Berlin@mfa.ee