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Ausstellung "Das Estland der Gutshöfe" in Langenfeld/NRW

15.11.2010 - 26.11.2010

Ausstellung
Zeugnisse der deutsch-baltischen Kultur...

Vom 08. bis zum 26. November sind Rathausfoyer (1. OG) in Langenfeld
18 Schautafeln zur Geschichte der estnischen Gutshöfe zu sehen:
 
Rathaus, Konrad-Adenauer-Platz 1, 40764 Langenfeld 

Die Ausstellung des Eesti Instituut, Tallinn; zusammengestellt von Dr. Ants Hein, mit Darstellen, Fotos und Grundrissen dokumentiert die Geschichte der Gutshöfe
in Estland vom Mittelalter bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Sie gibt zudem die historische Verbindung zwischen der Region des heutigen Estlands und der
deutschen Kultur wider.

Hintergrund:
Das Baltikum verfügt heute aufgrund seiner Feudalgeschichte über unzählige erhaltene Gutshöfe und Herrenhäuser. Daher lässt sich in Europa nur schwer
eine zweite Region finden, wo sich der Einfluss der Gutshöfe noch im 19. Jahrhundert so dauerhaft und unversehrt hielt, wie in den deutschen Ostseeprovinzen
des Russischen Reiches, in dem Gebiet also, das heute die Republiken Estland und Lettland umfasst.
Zu einer Zeit, wo überall sonst der Adel seine ehemalige Position längst eingebüßt hatte, wusste er sich hier immer noch als politische und wirtschaftliche Führungsschicht zu behaupten.
Viele Adelsgeschlechter waren bereits seit dem 13. Jahrhundert mit dem Baltikum verbunden, d.h. zu einer Zeit, als die damaligen, von heidnischen Esten, Liven und Letten besiedelten Gebiete vom Schwertbrüderorden und vom Deutschen Orden erobert wurden.
Zum Symbol dieser für die Deutschbalten charakteristischen, politischen, administrativen und wirtschaftlichen Macht wurden ihre stolzen, riesige Ausmaße
erreichenden Gutshofkomplexe. Diese finden sich auch in großer Anzahl auf dem Gebiet des heutigen Estlands; zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnte man
beispielsweise 874 Privat- oder Rittergüter zählen. Außerdem fanden sich weitere 165 Krons- 22 Magistrats- und 13 Ritterschaftsgüter. Die größten Rittergüter
konnten sich auf einer Fläche von bis zu mehreren tausend Hektar erstrecken, und die Zahl ihrer Bewohner erreichte in manchen Fällen fünf- bis sechstausend
Einwohner.
Aus dem Blickwinkel des Architekturhistorikers sind die im Still des Barock oder Klassizismus errichteten Gutshöfe inmitten der estnischen Landschaft ebenso
Zeugen westlichen Einflusses wie so manche westeuropäischen schriftlichen und materiellen Kulturdokumente, und das schon allein deshalb, weil ihre Architekten
aus Mittel- und Westeuropa stammten. Auch haben sie Elemente russischer Bauten aufgenommen, die ihrerseits wieder unter westeuropäischem Einfluss
entstanden waren.
Die Zeit der Gutshöfe dauerte in Estland bis zum Ersten Weltkrieg. Schon der Beginn des Krieges bedeutete für den deutschbaltischen Adel gewisse Einschränkungen,
aber das tatsächliche Ende der Gutswirtschaft kam mit dem Zusammenbruch des Zarenreichs und der Ausrufung der Estnischen Republik.
Die Gutshäuser aber stehen heute noch in Estland: einerseits nachragende Gespenster einer vergangenen Zeit, Andenken an eine untergegangene Welt, andererseits
erscheint gerade durch sie das Erbe des ganzen Landes vielsprachiger und mehrdeutiger, als man glauben möchte.
Dr. Ants Hein (Jg. 1952) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte in Tallinn. Er ist international bekannt durch Veröffentlichung zur Architektur
des 18. und 19. Jahrhunderts sowie zur Geschichte der deutschbaltischen Kunst in Estland

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