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Welt Online - Tallinn lockt mit niedrigen Steuern

25.11.2010

Tallinn lockt mit niedrigen Steuern

Welt Online, 25.11.2010

Als erster Staat im Baltikum führt Estland 2011 den Euro ein - Hamburger Firmen wollen die Chancen nutzen

Von Stephan Maaß

Zum Jahreswechsel bekommt Estland den Euro. "Das macht das Land für deutsche Firmen noch attraktiver", sagt Theis Klauberg, Partner der Anwaltskanzlei BNT mit Büros im Baltikum und Osteuropa. Niedrige Kosten, ein günstiges Rechts- und Steuersystem und die Lage an den großen Märkten im Norden seien die Standortvorteile. Einige Firmen aus Hamburg sind schon vor Ort vertreten.

Jungheinrich, Nordex, Hoyer oder Oiltanking nutzen das Baltikum schon als Brückenkopf für Osteuropa oder Skandinavien und dürften die Einführung des Euro am 1. Januar 2011 nutzen, um weiter in Estland zu investieren, so Klauberg. Auch der Windkraftanlagenbauer Nordex will demnächst weitere Windparks im nördlichsten der drei baltischen Länder ausrüsten.

Man habe in Estland den Vorteil, dass auch deutsche Banken dort Projekte finanzieren, weil das Land über ein gutes Ranking verfüge, so Nordex-Sprecher Ralf Peters. Der Bau von Windparks lohne sich, weil es ähnlich wie in Deutschland einen Einspeisungstarif gebe, der zwölf Jahre lang feste Einnahmen für Windstrom garantiere. "Estland ist vor allem für Unternehmen interessant, die auf dem skandinavischen Markt aktiv sein wollen", sagt Klauberg. Das Gleiche gelte für Unternehmen mit Sitz in der EU, die sich auf dem russischen Markt etablieren wollten. Besonders Firmen aus der Transport- und Logistikbranche sollten jetzt aufgrund der geografischen Lage, der Häfen und der Anbindung an das russische Schienennetz vor Ort sein, lautet seine Empfehlung. Für Unternehmen aus dem Energie- und Umweltschutzbereich ist Estland interessant, weil hier in den nächsten Jahren größere Investitionen anstehen. Die IT-Branche verzeichnet in Estland immer mehr Zulauf. Längst gelten die Esten als Pioniere bei der elektronischen Verwaltung. "Die Anmeldung einer GmbH dauert im Internet eine Viertelstunde", so Klauberg.

Estland könne im kommenden Jahr um 3,3 Prozent wachsen, so die Prognosen. Klauberg lobt das estnische Steuersystem: "Die in Deutschland übliche Körperschaftsteuer gibt es in Estland nicht. Das bedeutet, dass Unternehmen in Estland ihre Gewinne nicht versteuern müssen", sagt der Anwalt, der das BNT-Büro im lettischen Riga leitet.

Gerade im Vergleich zu den Nachbarn in Mittel- und Osteuropa würden Justiz und Verwaltung kompetent und zuverlässig sein. Viele Gesetzte seien eins zu eins aus Deutschland übernommen worden, etwa Handelsgesetzbuch oder Grundbuch. Sogar für die estnische Jagdordnung wurde deutsches Recht kopiert. Das sei keinesfalls eine Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte, sondern habe Tradition. So gelte das Lübecker Stadtrecht in Tallin schon seit dem 16. Jahrhundert.

Mit dem Euro werde es für deutsche Firmen noch einfacher, in Estland zu investieren. Zudem haben sie Kostenvorteile durch den Wegfall der Währungsumrechnung." Auch Investmentfonds, die aus Gründen der Risikostreuung in der gesamten Euro-Zone investieren, dürfen demnächst Geld in Estland anlegen. Das dürfe auch aus einem anderen Grund interessant sein. Denn Estland ist gegenwärtig das einzige Euro-Land, das die Maastricht-Kriterien erfüllt.

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