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Musik aus Estland in Hamburg

09.12.2010

Klang HamburgMusik aus Estland

 

ARVO PÄRT, ERKKI-SVEN TÜÜR,  HELENA TULVE u.a.

 

Arvo Pärt                        Summa

Galina Grigorjeva             Ad infinitum

Lepo Sumera                   Streichquartett (1995)

Helena Tulve                   Nec ros, nec pulva

Tõnu Kõrvits                   Thule patterns

Erkki-Sven Tüür              Streichquartett (1985)

Arvo Pärt                        Fratres

 

Für glückliche Ohren           

Es spielt das "Nyyd Quartett" aus Tallinn

 

Wann: Donnerstag, 9.12.2010, um 20 Uhr

Wo: MedienCampus Finkenau 35

- Eintritt 15/10 €

- AfterConcertSnack incl. -

Abendkasse oder Telefon (040) 8664 8645

 

Im Rahmen der neuen Reihe - HappyNewEars I Hamburg

 

Der MedienCampus Finkenau 35 ist als Aufführungsort für Hamburg völlig neu, unser Konzert in einem sehr schön gestalteten Raum unterm Dach das erste derartige Ereignis dort. Die frühere Klinik Finkenau ist aufs Feinste renoviert, dort studieren Lernende der Mediaschool Hamburg, der HAW, Hochschule für angewandte Wissenschaften sowie der Miami Ad School. Außerdem ist dort das ebenfalls neu eingerichtete Studio des freien Senders Tide TV und Radio Tide 96,0.

Ein sehr kreatives Quartier! Ein Besuch lohnt sich!

Weitere Infos unter:
Klang Hamburg

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Hamburger Abendblatt

Estnische Musiker überzeugen zum Auftakt der Konzertreihe

Hamburger Abendblatt, 11.12.2010

Estnische oder in Estland lebende Komponisten standen auf dem Programm, das das Nyyd Streichquartett aus Tallinn zusammengestellt hatte.

Hamburg . Neue Musik hat sich vor langer Zeit den Ruf eingebrockt, anstrengend zu sein, bierernst, schief, abstrakt, was zum Zahnweh kriegen. Der amerikanische Komponist John Cage hat viele Wege aus diesem Bedeutungsghetto gefunden, einer war sein listiger Wunsch Happy New Ears! zum Jahreswechsel 1963. Neue Musik als Quell der Freude zu erleben ist nun auch das verwegene Unterfangen zweier Hamburger Geschäftsleute. Am Donnerstag boten sie im MedienCampus Finkenau den Auftakt einer hoffnungsvollen, mit drei Terminen pro Jahr jedoch noch arg spärlich dimensionierten Konzertreihe, die Cages guten Wunsch zum Titel hat: HappyNewEars.

Ausschließlich estnische oder in Estland lebende Komponisten standen auf dem Programm, das das Nyyd Streichquartett aus Tallinn klug zusammengestellt hatte. Eingerahmt von „Summa“ und „Fratres“, zwei Klassikern Arvo Pärts, der Heiligenfigur osteuropäischen Komponierens, fanden sich Werke, die sich stückweise von der bittend-weltflüchtigen Geste Pärts entfernten, um schließlich temperamentvoll wieder zu ihr zurückzufinden. Galina Grigorjevas „Ad infinitum“ strebte als endloser Kanon noch ähnlich nach Transzendenz alles Irdischen, Helena Tulves irisierend schillerndes, von Flageoletts, intensiver Erkundung des Diskantbereichs und Bogenrauschen auf den Geigenstegen wie von innen leuchtendes Stück „nec ros, nec pluvia“ bot dazu so etwas wie einen komplementären Gegenentwurf: nicht weniger das Jenseits suchend, aber radikal anders in der Wahl der Mittel.

Das Streichquartett des früh verstorbenen Lepo Sumera, einer der prägenden Kompositionslehrer Estlands, der auch Erkki-Sven Tüür einige Zeit unterrrichtete, leitete dann über in den diesseitigeren Teil des Abends. Sumeras fast didaktisch klar aufgebautes Werk führte die Zuhörer quasi zum Zugucken durch ein Möglichkeitsfeld zeitgenössischen Umgangs mit Artikulation und Dynamik. Erkki-Sven Tüür, heute neben Pärt der meistgespielte Komponist Estlands, präsentierten die Nyyds mit einem Jugendwerk, das ihn als Sumeras wie Pärts Lehren gleichermaßen bündelnden und mit der eigenen Sozialisation in der Rockmusik osteuropäischer Prägung legierenden Zeitgenossen zeigte. Mit etwas Phantasie ließ sich die von den vier Streichern gespielte Musik als das kammermusikalische Äquivalent einer avancierten Art-Rock-Komposition deuten. Bei Pärts „Fratres“ schlichen sich in das sonst untadelige und in zahllosen Details durchgearbeitete Zusammenspiel des Quartetts kleine Unschärfen, die eine derart transparente Musik unbarmherzig und sofort offenlegt.

Von den 100 kurzerhand gekauften Klappstühlen zur Premiere blieb die Hälfte ungenutzt. Bei der zweiten Ausgabe der HappyNewEars hoffen die beiden Veranstalter aus Leidenschaft auf besseren Besuch an noch ungekanntem Ort – am 19. Mai 2011. Dann führt das Berolina Trio zeitgenössische Musik aus Polen auf. (TRS)

 


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