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fnp - Euroeinführung: Hohe Risiken

03.01.2011

Hohe Risiken

Thomas Baumgartner

Frankfurter Neue Presse, 3. Januar 2011

Als 17. Land führt Estland die europäische Gemeinschaftswährung ein – mitten in der Euro-Krise, in der viele Beobachter die Währungsunion am Rande des Zerfalls sehen. Der baltische Staat ist nach Slowenien und der Slowakei der dritte des früheren Ostblocks, in dem mit Euro bezahlt wird. Der Währungsraum reicht damit von Irland und Spanien bis an die russische Grenze.

Ist er damit nicht überdehnt? Auf dem Weg zu gemeinsamer Wirtschaftsregierung und Transferunion hätten sich wenige mittel- und nordeuropäische Länder (Deutschland, Frankreich, Benelux) sicherlich leichter getan. Die südeuropäischen Länder haben dagegen zum Teil völlig andere Probleme und Interessen, die einst kommunistischen Satelliten der Sowjetunion wieder andere.

Doch stärkt der Beitritt der Balten, die seit 2008 enorme Sparanstrengungen hinter sich gebracht haben, das Lager der «Falken» in der Euro-Zone – und ist daher gut für Deutschland. Auch ein Urlaub an der Ostseeküste Estlands wird für uns attraktiver, da der Geldwechsel nun entfällt. Die andere Frage ist, ob der Euro auch gut für Estland ist.

Zwar wird das Land damit weniger anfällig für Währungsschwankungen, die gerade in der Finanzkrise viele kleine Staaten heftig gebeutelt haben, wenn Investoren Gelder abzogen. Doch mittlerweile scheint eher die Gefahr realistisch, als Mitglied der Währungsunion Hilfen für die ungleich reicheren Griechen oder Iren mitbezahlen zu müssen. Daher haben Polen oder Tschechien von einer schnellen Einführung des Euro Abstand genommen. Zudem ist künftig keine Anpassung über Währungsaufwertung oder -abwertung mehr möglich, und der EZB-Einheitszins wird in einem wachstumsstarken, aufstrebenden Land der Euro-Peripherie häufig nicht passen. Die Inflation galoppiert bereits, bei Raten jenseits der fünf Prozent.

Diese Risiken hatten schon in Südeuropa dazu geführt, dass die heutigen Euro-Wackelkandidaten zuerst ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit sukzessive verloren (was ein von zu niedrigen Realzinsen befeuerter Immobilienboom zunächst verdeckte) und dann in die Schuldenkrise schlitterten. Das warnende Beispiel sollte das jüngste Euro-Mitglied künftig stets vor Augen haben.

Artikel vom 03. Januar 2011, 03.21 Uhr

 http://www.fnp.de/fnp/nachrichten/wirtschaft/hohe-risiken_rmn01.c.8553465.de.html

 

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