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Staatspräsident Ilves wiedergewählt

31.08.2011

Toomas Hendrik Ilves wurde am 29. August 2011 erneut zum Staatspräsidenten der Republik Estland gewählt.

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Im Portrait: Toomas Henrik Ilves

Typisch baltisch, exemplarisch westlich

Toomas Henrik Ilves, den das Parlament in Tallinn zum zweiten Mal in das Amt des estnischen Staatspräsidenten gewählt hat, ist in mancher Hinsicht ein typisches baltisches Staatsoberhaupt. Gegenüber dem großen Nachbarn Russland kennt er kein Pardon. Er repräsentiert mit Charme und scharfer Zunge.

Von Konrad Schuller

30. August 2011 

Toomas Henrik Ilves, den das Parlament in Tallinn am Montag zum zweiten Mal in das Amt des estnischen Staatspräsidenten gewählt hat, ist in mancher Hinsicht ein typisches baltisches Staatsoberhaupt. Wie die Präsidenten Lettlands und Litauens kennt er dem großen Nachbarn Russland gegenüber kein Pardon.

Wo Moskau mit imperialer Geste seine Muskeln spielen lässt, wie etwa vor drei Jahren beim Einmarsch in Georgien, hält es ihn nicht im Sessel. Damals startete er zusammen mit Zatlers aus Lettland und Adamkus aus Litauen sowie mit den ebenfalls antirussischen Präsidenten Kaczynski (Polen) und Juschtschenko (Ukraine) zu einem abenteuerlichen Flug nach Tiflis, um den Georgiern die Solidarität der ost-mitteleuropäischen Demokratien zu demonstrieren. Der Flug ging in die Annalen ein, weil der Pilot, ein Offizier der polnischen Luftwaffe, sich damals trotz eines Befehls Kaczynskis weigerte, im gefährdeten Tiflis zu landen. Er steuerte einen Ausweichflughafen an, und die kämpferischen Präsidenten mussten den Rest des Weges in einer abenteuerlichen Nachtfahrt über Land zurücklegen.

Startpunkt Amerika

Aber auch in westlicher Richtung ist die Biographie des Toomas Henrik Ilves exemplarisch. Wie Adamkus in Litauen, aber auch wie die ehemalige lettische Präsidentin Vaira Vike-Freiberga, hat er während des Kalten Krieges, als das Baltikum von der Sowjetunion besetzt war, seine Jugend in Amerika verbracht. In New York und Philadelphia studierte er Psychologie, von 1984 an arbeitete er beim amerikanischen Sender „Radio Freies Europa“ in München, zuletzt (bis 1993) als Chef des estnischen Dienstes.

Danach erst ist Ilves in der Politik aufgetaucht. Er begann als Botschafter in Amerika, Mexiko und Kanada; Ende 1996 machte er sich als Außenminister an jene Aufgabe, die bis heute die beiden Hauptströme seiner politischen Biographie – den russlandkritischen und den pro-atlantischen – zusammenführt: die Integration Estlands in die Nato und in die Europäische Union. 1997 erreichte, wie die anderen Balten, die Zusage der Europäischen Kommission für Beitrittsverhandlungen. Estland schlug jenen Weg ein, der 2004 zur Vollmitgliedschaft in Nato wie EU führte.

Mit Charme und scharfer Zunge

Heute führt Ilves das vor allem repräsentative Amt des Präsidenten mit Charme, scharfer Zunge und seiner geliebten Fliege. Wo westliche Politiker - etwa der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder – aus seiner Sicht mit Russland zu intim werden, kann er allerdings auch richtig giftig werden; und seit die Balten zusammen mit den Nachbarn in Polen und der Slowakei zu den Wirtschafts-Musterschülern Europas geworden sind (Estland hat im Januar mitten in der Krise den Euro eingeführt), ist sein Selbstbewusstsein noch gewachsen. Seine Wiederwahl mit 73 von 101 Stimmen hat bewiesen, in welchem Maß ein Präsident mit dieser Vita und dieser Haltung die Mehrheit seines Landes repräsentiert. Dass allerdings die 25 Abgeordneten, die für seinen Gegenspieler Tarand stimmten, vermutlich allesamt der großen russischen Minderheit seines Landes nahestehen, zeigt zugleich, wo bis heute in Estland die Trennlinien verlaufen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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