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F.A.Z. - Artikel Juhan Parts

29.09.2011

 

"Der Euro kann Schwachen helfen"

 

F.A.Z., 29.09.2011, Nr. 227, Seite 2

 


Estland ist das jüngste Mitglied der Eurozone: Es trat ihr Anfang 2011 bei, als sie längst zur Krisenzone geworden war. "Wir glauben fest an diese Währungsunion", sagt der estnische Wirtschaftsminister Juhan Parts. Spekulationen über eine Spaltung der Eurozone bezeichnete er bei einem Besuch in der F.A.Z.-Redaktion als "politisch vollkommen inakzeptabel". Es sei sehr einfach, solche Gedanken in die Welt zu setzen - "aber was ist denn die Alternative? 27 Währungen? Wem soll das nützen?" Zudem gehe es bei der Euro-Krise nicht nur um Staatsschulden, sondern "auch um das politische Projekt Europa".

Für sein Land sei die Einführung des Euro ein wichtiges Mittel gewesen, nach der tiefen Rezession 2009 das Vertrauen in die eigene Wirtschaft wiederherzustellen. "Das war eine klare Botschaft: In Estland ist alles in Ordnung." Allerdings konnte die liberalkonservative Koalitionsregierung in Tallinn (Reval) auch auf Taten verweisen: Als sich Ende 2008 zu Beginn der internationalen Finanzkrise nach Jahren des Booms ein wirtschaftlicher Einbruch abzeichnete, steuerte sie sofort mit harten Sparmaßnahmen gegen, außerdem wurde der ohnehin schon flexible Arbeitsmarkt weiter liberalisiert. Das Ergebnis ist, dass das Land dieses Jahr einen fast ausgeglichenen Haushalt erwartet, einen Gesamtschuldenstand von etwa 6,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hat und die in der Krise 2009 auf fast 20 Prozent gesprungene Arbeitslosenquote schon wieder auf die Hälfte gesunken ist.

 

Estland hat seit Erlangung der Unabhängigkeit Anfang der neunziger Jahre eine liberale Reformpolitik betrieben. Die damals eingeführte eigene Währung war von Anfang an in einem festen Kurs zuerst an die D-Mark, dann an den Euro gebunden. Estland sei oft zur Abwertung gedrängt worden, sagt Parts, aber man habe widerstanden: "Die Verbindung mit einer starken Währung war ein gutes Instrument zur Modernisierung der Wirtschaft, weil das die Unternehmen zwang, wettbewerbsfähig zu werden." Daher kommt Parts zu dem Schluss: "Ein starker Euro kann für schwache Wirtschaften hilfreich sein - wenn sie wirklich stark werden wollen." (rve.)

 

F.A.Z., 29.09.2011, Nr. 227, Seite 2

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