Geschäftstätigkeit in Estland

06.11.2008
Estland, eines der kleinsten Mitgliedstaaten der Europäischen Union, hat sich etabliert als eine der am schnellsten wachsenden Wirtschaften der EU.
Ein großer Anteil an diesem Erfolg ist der stabilen Währung zuzuschreiben, die seit 1992 auf dem Currency-Board-System, der Liberalisierung der Preise, dem Abbau staatlicher Subventionen, der schnellen Privatisierung und vor allem auf einem sehr liberalen Steuer- und Investitionsregime beruht. Um Unternehmen zum Ausbau ihrer Geschäftstätigkeit zu ermutigen, wurden alle Reinvestitionen von der Körperschaftssteuer befreit. Nur der verteilte Gewinn bzw. Dividenden werden einheitlich mit dem Steuersatz von 21 % besteuert.
Jüngste Entwicklungen
Die nahezu zweistelligen Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den Jahren 2006 und 2007 führten zu einem erhöhten Inflationsdruck. Man kann sagen, dass es ohne Wachstum keine Inflation gibt. Dies traf besonders auf den Immobiliensektor zu, wo eine starke Nachfrage, die aufgrund der billigen Kredite der Banken ausgelöst wurde, die Preise für Wohnungen und Dienstleistungen im Baugewerbe in unerträgliche Höhen getrieben hat. Der Verbraucherpreisindex hat jetzt aufgrund der steigenden Preise für Immobilien und Kraftstoffe zweistellige Ziffern erreicht, und dies hat auch Auswirkungen auf die Preise anderer Dienstleistungen und Waren.
Den Fortschritt und den Wachstumseinbruch verwalten
Klein ist fein – kleine Wirtschaften lassen sich leicht verwalten. Estland verfolgt eine sehr liberale Wirtschaftspolitik mit minimaler Einmischung des Staates in das Geschäftsleben. Jedoch hat das sowohl gute wie auch schlechte Seiten. Wegen der kleinen und offenen Wirtschaft erreichen alle positiven und negativen globalen wirtschaftlichen Entwicklungen Estland in kürzester Zeit. Eine ähnliche Entwicklung hat es in den späten 90ern gegeben, als infolge der Finanzkrise in Asien und Russland in Estland Kredite knapp wurden, was zu einem ersten Einbruch des Wirtschaftswachstums seit der Wiedererlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1992 geführt hat. Die Konjunkturflaute dauerte allerdings nur zwei Jahre. Von dieser Erfahrung ausgehend, können wir bessere Zeiten für das Wirtschaftswachstum in den Jahren 2009 und 2010 projektieren, vorausgesetzt, dass die Weltmärkte bis dahin besser dastehen.
Beitritt zur Eurozone
Es ist unwahrscheinlich, dass Estland den sogenannten Inflationskriterien des Maastricht-Vertrags für den Beitritt zur Eurozone vor 2011 entsprechen wird. Jedoch erfüllt Estland schon heute alle weiteren dafür notwendigen Kriterien wie Staatsverschuldung und Ausgeglichenheit des Staatshaushalts. Da wir das Currency-Board-System haben und die estnische Krone fest an den Euro gebunden ist, können wir bereits jetzt sagen, dass Estland theoretisch in der Eurozone angekommen ist. Anstelle des Euros besitzen wir nur andere Scheine, die Kronen heißen.
Standortvorteile
Die Nähe zu den nordischen Ländern, die bestens durch ihre Innovationen auf dem Gebiet der Technologie- und Telekommunikation bekannt sind, hat sich positiv auf Estland ausgewirkt, und so gehört Estland hinsichtlich der Infrastruktur seiner Telekommunikationswege zu den bestentwickelten Ländern in Europa. Es ist kein Wunder, dass derartige Erfindungen wie Skype gerade aus Estland kommen. Das 300-köpfige Entwicklungsteam von Skype befindet sich in Tallinn.
Als Faustregel gilt, dass alle wirtschaftlich starken Sektoren Skandinaviens auch in Estland stark entwickelt sind. Besonders enge grenzüberschreitende Beziehungen bestehen in der Hochtechnologie (Software-Entwicklung), in der Forstwirtschaft, im Maschinenbau und im Bereich der Telekommunikations- und Finanzdienstleistungen.
Estland ist bestrebt, sich zu einem geeigneten Standort für Finanzdienstleistungen in Nordeuropa zu entwickeln. Neben dem Bankensektor, in dem ausländische Banken bereits dominieren, ist Estland ein attraktiver Standort für die Vermögensverwaltung sowie für unterschiedliche Finanz- und Back-Office-Dienstleistungen. Die Finanzzentren dieser Welt kämpfen untereinander auf den verschiedensten Gebieten, von Steuersätzen bis hin zur Infrastruktur und zu den allgemeinen Aspekten der Lebensqualität. Tallinn, die Hauptstadt Estlands, kann einmalige Standortvorteile auf wettbewerbsfähigem Kostenniveau bieten.
Hier gibt es auch ausreichende Möglichkeiten für Immobilien-Entwicklung im kommerziellen und industriellen Bereich. Zum Beispiel ist die Nachfrage nach Büroflächen dramatisch angestiegen.
Darüber hinaus hat Estland vom boomenden Markt des Geschäfts- und Freizeittourismus profitiert. Zum Beispiel stieg in den letzten paar Jahren die Zahl der ausländischen Besucher Estlands, einem Land von 1,36 Millionen Einwohnern, auf 3 Millionen.
Der wichtigste Tourismusmagnet ist Tallinn, die älteste Hauptstadt Nordeuropas, das eine lange Architekturgeschichte hat: Bis in die letzten Jahre des 19. Jahrhunderts war die Oleviste-Kirche in Tallinn das höchste Gebäude Europas; die älteste ununterbrochen betriebene Apotheke der Welt befindet sich seit dem Jahr 1422 auf dem Rathausplatz von Tallinn. Im Jahr 1994 wurde die Altstadt von Tallinn in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen.
Sie müssen nicht bis zum Nordpol bzw. zum Ende der Welt reisen, um nach Estland zu kommen. Das Land liegt hier, in Europa, an den Ufern der Ostsee. Ein Flug aus Frankfurt oder London in die Hauptstadt Estlands dauert zweieinhalb Stunden, aus Kopenhagen anderthalb Stunden und aus Helsinki nur eine halbe Stunde. Darüber hinaus werden zwischen Tallinn und Helsinki täglich mehr als 30 Überfahrten von Schiffen und Schnellbooten angeboten.
Andrus Viirg Wirtschaftsförderung Estlands (Enterprise Estonia)
 
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